Einladung zur nächsten Freud-Vorlesung

SIGMUND FREUD-VORLESUNGEN 2007: KONTROVERSEN
9. - 10. November 2007: DIE FREUD-KLEIN-KONTROVERSE
Ort: Akademie der Wissenschaften, 1010 WIEN, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Zeit: Freitag, 9.November 16.00-20.00 Uhr, Samstag, 10. November, 9.00-18.00 Uhr

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wir laden Sie sehr herzlich zur Abschlusstagung der Sigmund Freud-Vorlesungen 2007 nach Wien ein, die der Freud-Klein-Kontroverse gewidmet ist.

Freitag, 9. November 2007, 16.00-20.00
16.00-18.00 Marianne Scheinost-Reimann: Begrüßung, Einführung und Moderation
Elke Steinlechner: Anna Freud – Leben und Werk
Katharina Seifert: Die Projekte und Institutionen Anna Freuds

18.30-20.00 Michael Diercks: Moderation
Christine Butterfield-Meissl: Melanie Klein – ein Portrait
Gertraud Diem-Wille: Einführung in die Arbeitsweise Melanie Kleins


Samstag, 10.November 2007, 9.00-18.00
9.00-11.00 Walter Parth: Moderation
Thomas Aichhorn: „Mrs.Klein herself is a very kind and human personality whom I hope you will learn to appreciate“
Friedl Früh: Theoretische Voraussetzungen zur Debatte noch aus der Wiener Zeit
Renate Fanta: Joan Riviere: „Zur Genese des psychischen Konflikts im frühen Kindesalter“. Eine Frau und ein Vortrag im Spannungsfeld zwischen London und Wien

11.30 – 13.00 Elisabeth Skale: Moderation
Christine Diercks: Die Freud-Klein-Kontroverse – eine erste Annäherung
Hemma Stallegger: Die Brücke von der Körperempfindung zum Gedanken – die unbewusste Fantasie

14.30 – 16.00 Daphne Stock: Moderation
Elfriede Fidal: Zu Paula Heimann: Über Projektion und Introjektion
Angelika Groysbeck: „Regression“ – Kontroverse über die Rolle des Todestriebes bei der Neurosenentstehung

16.30-18.00 Brigitte Grossmann-Garger: Moderation
Eva Ptak-Wiesauer: Schuld, Kummer, Wiedergutmachung – die Wurzeln depressiver Ängste im Säuglingsalter
Marianne Scheinost-Reimann: Die Macht der Bilder und das Ringen um das Wort


Was in die Geschichte der Psychoanalyse eingehen wird als die Freud – Klein Kontroverse (controversial discussion), ist ein Streit, der schon seit Jahren zwischen den Wiener
Freudianern und den Londoner - von Melanie Klein beeinflussten - Psychoanalytikern geschwelt hat und Anfang der Vierzigerjahre offen ausbricht. Er wird ausgetragen
zwischen Anna Freud und Melanie Klein als Protagonistinnen, die um Anerkennung ihrer Arbeit kämpfen und schließlich um die Nachfolge Sigmund Freuds rivalisieren. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen zwei Pionierinnen der Kinderanalyse und ihren unterschiedlichen behandlungstechnischen und metapsychologischen Auffassungen sowie
Ausdruck unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen innerhalb der Psychoanalyse von Triebtheorie, Ich-Psychologie und Objektbeziehungstheorie.

Wir treffen hier aber auch auf eine grundsätzliche Auseinandersetzung der Nachkommenden mit den Gründervätern. Wagt man, eigenständig zu denken? Eine aktive Besitznahme
durch die nächsten Generationen bedeutet auch eine Infragestellung des Bisherigen, ein Heraustreten aus dem Schatten Freuds, dem man alles verdankt. Es findet aber auch ein
konkreter Kampf um die Neuverteilung und Demokratisierung der Macht innerhalb der britischen Gesellschaft statt, die bisher autokratisch von ihrem Gründer Ernest Jones und
dem Generalsekretär Edward Glover geführt wurde.

All dies entlädt sich in einem offenen Streit zu einem Zeitpunkt, an dem auf dramatischste Weise nichts mehr so ist wie früher: Freud ist tot, er stirbt im September 1939, sein Platz
ist leer, der Zusammenhalt durch ihn fehlt. Der wissenschaftliche Konflikt, der bisher zwischen der Wiener und der Britischen Gruppe ausgetragen wurde, ist auf einmal in die
britische Gruppe selbst hinein verlagert, nachdem die Wiener Psychoanalytiker ihr Leben vor dem Naziterror retten mussten und viele von ihnen – allen voran Freud und seine
Tochter Anna – nicht zuletzt mit Hilfe der britischen KollegInnen in London Aufnahme gefunden haben.
In Wien haben die Nationalsozialisten die Macht übernommen, In Europa herrscht Krieg, über London fallen Bomben, in der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft fühlen sich Anna Freud und Melanie Klein voneinander bedroht. Marjorie Brierley formuliert die Frage, um die herum sich diese Bedrohung organisiert hat:
„Ist eine Theorie der psychischen Entwicklung, die hauptsächlich die Schicksale der frühkindlichen Objektbeziehungen zum Ausdruck bringt, zu vereinbaren mit einer Theorie, die diese Entwicklung unter dem Blickwinkel der Triebschicksale formuliert?“

Teilnahmegebühr: € 60.-/ für KandidatInnen € 20.-. Die Veranstaltung ist von Ärztekammer, ÖBVP und BÖP als Fortbildungsveranstaltung akkreditiert. Für Rückfragen und Anmeldung wenden Sie sich bitte an: office@wpv.at, Tel: +43 1 533 07 67

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Martin Gasteiner, Wien martin.gasteiner@reizschutz.at

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